Der Begriff des somatischen Markers geht auf António Damásio zurück. Er stellt die Theorie auf, daß alle Erfahrungen, die ein Mensch in Laufe seines Lebens macht, in einem emotionalen Erfahrungsgedächtnis gespeichert werden. Jede Erfahrung wird mit einer einfachen Bewertung "positiv, wieder aufsuchen" oder "negativ, künftig vermeiden" bewertet und gespeichert. Dieses Erfahrungsgedächtnis teilt sich über körperliche Signale mit, die sogenannten somatischen Marker.

Der somatische Marker stellt die Summe Ihrer Erfahrungen dar. Es ist ein blitzartiges körperliches Signal (von griechisch soma „Körper“). Innerhalb von Millisekunden signalisiert uns unser Körper "Stop" und/oder "Go". Somatische Marker bewerten zwar nur binär, ja oder nein, aber nicht auf einer Skala von positiv zu negativ, sondern mit zwei Skalen, die beide von 0 bis 100 oder nicht vorhanden bis sehr stark gehen.

In jeder Lebenssituation können die somatischen Marker genutzt werden. Der erste Schritt ist es, sie wahrzunehmen. Der zweite oder dritte Schritt kann ein Hinterfragen oder eine Analyse sein: Wo kommt diese Reaktion? Betrachte ich zum Beispiel das Bild einer jungen Katze, dann wird es Menschen geben, die emotional zerfließen und anderen, die zum Beipsiel negative Erfahrunge mit Katzen gemacht haben, wird schlecht und sie bekommen Bauchschmerzen.

Der somatische Marker kann als Hilfmittel benutzt werden, um kluge Entscheidungen zu treffen. Diese blitzschnelle somatische Reaktion auf das Bild oder Geschehen wir sehr schnell von kognitiven Prozessen überlagert. Wir nehmen Körperempfindungen wahr, Gefühle entstehen, wir interpretieren die Erfahrung und ordnen sie bekannten Begriffen zu. So wird zum Beispiel das Unwohlsein beim Betrachten des Katzenbildes rationalisiert und auf die Tatsache geschoben, daß die Luft schlecht ist oder daß man schon seit einer halben Stunde nichts gegessen hat.

Wenn ich weiß, daß mein Erfahrungsgedächtnis einen sehr schnellen, aber auch flüchtigen Reiz liefert, kann ich mich darauf schulen diesen wahrzunehmen. Ich realisiere vielleicht dann auch, daß ich in einer Situation sowohl positive, bejahende, als auch negative, vermeidende Handlungsimpulse habe. Die Gleichzeitigkeit dieser sich scheinbar ausschließenden Gefühle kann genauso hilfreich sein, wie ein einzelner positiver oder negativer Marker. Vor jeder weiteren Betrachtung geht es darum den bzw. die somatischen Marker wahrzunehmen.

Millisekunden vergehen sehr schnell, Gefühle folgen und Erfahrungen werden eingeordnet. Manche Menschen achten mehr auf Körperempfindungen, andere auf Gefühle oder Gedanken. So ist auch die Wahrnehmung der somatischen Marker von Mensch zu Mensch verschieden. Manche nehmen sie als Körperempfindung wahr ("ein Kribbeln im Nacken"), manche als Emotion ("ein Gefühl der Macht"). Andere Menschen nehmen ein Geschehen im Kopf wahr ("etwas öffnet sich, ein helles Leuchten").